Leben, Mamaleben

my heart. your place.

“das darf nicht wahr sein, bitte nein nein nein, bitte nein nein nein!” Ich saß auf der Toilette und befürchtete es schon, ich spürte es. Den ganzen Tag ging es mir nicht gut und ich fühlte mich absolut nicht wohl. Da saß ich nun, mit der Hoffnung, dass sich unser Würmchen nicht gelöst hat und bleibt. Das Toilettenpapier zeigte mir Anderes. Mein Herz schmerzte, ich bekam kaum Luft und die Tränen flossen. Da war es, mein kleines Würmchen, das nicht bleiben konnte. Blut, Blut, Blut. Es war so schrecklich, diesen Schmerz zu fühlen, ich dachte, so etwas passiert mir doch nicht. Tja so schnell kann sich das Blatt wenden.

Ich spülte runter und mir kamen schon wieder die Tränen. Ich hoffte es seien Zwischenblutungen. Doch mein Herz wusste es, es waren keine. Wir waren zu Besuch bei den Schwiegereltern. Ich wollte mir nichts anmerken lassen. Na bravo, total verheult und ängstlich ging ich wieder in den Garten. Ich sprach sofort mit meinem Mann. Seinen Blick werde ich auch nie vergessen, es stand eine gewisse Enttäuschung in seinen Augen und Traurigkeit, wie auch Ungewissheit. Wir unterhielten uns weiter mit den Schwiegereltern. Doch dann überkam es mich, ich heulte los. Ich wollte nicht, musste aber. Wir erzählten was los ist und ich gerne eine Abklärung wollte. Wie kann das bloß sein, dass unser Abenteuer plötzlich wieder vorbei sein sollte, und warum nimmt uns jemand unser Würmchen. Ich suchte viele Gründe und i-wie einen Schuldigen. Doch da gab es keinen, Gründe die ich niemals erfahren werde. Ja im Krankenhaus, die traurige Gewissheit. Kein Embryo mehr, kein Herzschlag, keine Fruchthöhle. Ich war ganz am Anfang, ca. 7. oder 8. Woche, ganz genau wusste ich es nicht da meine Zyklen sehr unterschiedlich waren. Wir waren noch nicht bei meiner Frauenärztin, doch ich machte einige Tests, alle positiv. Es hätte so schön begonnen. Nun waren wir mitten drinnen, in dieser Situation, in diesem Gefühlsmeer, in dieser Angstschiene. Es war fürchterlich. Ich wollte nur noch nach Hause. Überspielte Alles etwas, konzentrierte mich auf Laurin. Der mir ganz viel Kraft gab. Als wir einen Tag drauf zu Hause waren, brachen mein Mann und ich in Tränen aus. Wir umarmten uns innig und verstehten die Welt nicht mehr. Laurin wird doch großer Bruder, wir bekommen doch ein zweites Baby. Nein nicht mehr. Eines kann ich sagen, es war ein Fehler, dass wir uns vor Freude alle Momente schon im Kopf ausmalten. Ich plante schon, wie wir es den Großeltern sagen wollen uvm. Ich sah mich schon wieder mit einer süßen Babykugel. Die Tritte, die Untersuchungen, die Ultraschallbilder. Die Glücksblase platze.

Die kommenden Tage waren so hart. Ich wollte mich eigentlich nur verstecken, ich fühlte mich wie ein Versager. Ich konnte dem Würmchen keine Geborgenheit schenken, ich fühlte mich verletzlich und verloren. Laurin, mein großer Schatz gab mir unglaublich viel Kraft, er lenkte mich auf die wohl schönste Art und Weise ab. Wir umarmten uns öfters, ich gab ihm noch viel viel mehr Bussis und war noch dankbarer, dass Laurin bei uns ist. Es ist KEINE Selbstverständlichkeit. Ich kenne einige Frauen im Bekanntenkreis, die eine oder sogar mehr Fehlgeburten hatten. Doch wirklich darüber geredet wird nicht. Ich schweige nicht, ich rede darüber. Es gehört zu mir. Dieses Erlebnis war alles andere als schön, aber ich muss sagen es hat mich gestärkt und die Augen geöffnet, was wirklich zählt im Leben und wie dankbar man über jeden einzelnen Tag sein muss. Es war auch für meinen Mann und mich, als Ehepaar nicht leicht. Ich verschloss mich, ja so bin ich immer wenn es mir nicht gut geht. Klar, es ist nicht das Richtige, aber da kann ich nicht anders. Als Mann sind einem die Hände gebunden, man weiß nicht wie es sich anfühlt, was der Körper mit sich mitmacht uvm. Auch nicht einfach. Doch wir meisterten es und es hat uns noch mehr zusammen geschweißt. Auch heute reden wir noch manchmal darüber und jedes Jahr am 29. Juli, zünde ich eine Kerze an. Für dich mein kleines Würmchen. Du blickst nun vom Himmel auf uns herunter. Und ich danke dir, du hast uns Henrik geschickt. Vielleicht warst du es ja, und hast einfach mehrere Anläufe benötigt. Ich werde es wohl nie erfahren. Die bedingungslose Liebe, die man für ein so kleines Würmchen schon empfinden kann ist unglaublich. Ich liebe dich und werde dich niemals vergessen. Wir haben dich verloren. Wir hatten noch kein Bildchen von dir, wir haben deinen Herzschlag noch nicht gehört. Im Nachhinein bin ich froh darüber, da der Schmerz dann noch größer gewesen wäre. Es waren keine “normalen” Regelschmerzen, man merkte deutlich dass es mehr war. Fühlten sich leicht wie Wehen an. Sehr starke Blutungen und Schmerzen. Nicht nur im Unterleib, noch mehr schmerzte mein Herz.

An all die Frauen da draußen, die eine Fehlgeburt hatten, oder auch mehrere. Ihr seid nicht alleine. Es kommt viel öfters vor als einem lieb ist. Manchmal bleibt es unentdeckt, da keine Schwangerschaft geplant war und man einfach “seine Tage extrem verspätet und stärker” bekommt. Wie stark manche Frauen sind, ist unfassbar. Die den Willen nicht verlieren Kinder bekommen zu wollen, obwohl sich einige Würmchen davor leider schon verabschiedet haben. Ich ziehe den Hut vor euch. Ich will es mir nicht ausmalen, aber ich behaupte, dass ich das nicht schaffen würde. Nach dem Verlust unseres Würmchens, war für mich ein 2. Kind eigentlich nicht mehr der Wunsch. Ich hatte so schrecklich Angst, wieder Blut zu sehen. Jedes kleine Zwicken im Unterleib beunruhigte mich. Mein Mann und ich entschlossen uns, nicht zu verhüten und uns überraschen zu lassen. Wenn wir den Segen bekommen, ein zweites Wunder zu bekommen, wären wir extrem dankbar und über glücklich, wenn nicht dann müssen wir uns damit abfinden und noch dankbarer sein, 1 gesundes Kind zu haben. So vergingen ein paar Monate, und siehe da unser Würmchen schickte uns Henrik.

Die ersten Wochen, bis zum ersten FA-Termin, waren schrecklich, kamen mir wie Jahre vor. Diese ständige Angst. Jeder Gang auf die Toilette, löste in mir Übelkeit, Ungewissheit und grauenhafte Angst aus. Der liebe Gott meinte es gut mit uns und schenkte uns Henrik, unseren kleinen süßen Mausibär. Bevor man Kinder möchte, kann man es sich einfach nicht vorstellen, was ein positiver Schwangerschaftstest in einem auslösen kann. Wie unterschiedliche Gefühle die Periode auslösen kann. Jedes Monat wartet man, dass der monatliche Besuch ausbleibt. Oder man ist erleichtert, wenn die rote Fee kommt. Der selbe Vorgang, und doch so unterschiedlich. Es werden so unterschiedliche Gefühle ausgelöst. Es war ja wie verhext, ich sah nach der Fehlgeburt nur noch Familien mit zwei Kindern. Dachte mir, warum schaffen wir das nicht. Diese Gedanken waren natürlich völliger Blödsinn. Aber sind wir uns ehrlich, egal ob wir das xxx Auto haben wollen, dann sehen wir nur noch dieses eine Auto. Wenn wir ein Kind wollen, sehen wir nur noch schwangere Frauen oder Väter und Mütter, die mit Kinderwägen spazieren gehen. Es ist wirklich ein Wahnsinn, wie das Hirn in so Lebenssituationen funktioniert.

Diese Enttäuschung, die ich gegenüber mir selbst verspürte war der Horror. Ich kam mir so nutzlos vor, warum werde ich nicht wieder schwanger. Bei Laurin klappte es ja gleich nach dem 1. Versuch. Das stimmte uns bevor wir ein zweites Kind wollten, sehr positiv, zu positiv. Denn davon aus zu gehen, dass es eh wieder flott klappen wird, ist nicht gerade gut. Um so größer ist die Enttäuschung . Unterm Strich dauerte es wieder nicht lange, obwohl ich eine Fehlgeburt hatte. Es waren insgesamt 5 Zyklen. Tja aber beim Kinderwunsch ist jedes verdammte Monat lange, richtig lange. Ja es klappte wieder schnell. Worüber wir unendlich dankbar sind. Es gibt viele Paare, leider, die oft einige Jahre einen unerfüllten Kinderwunsch haben. Wie gesagt, wenn es sich um Jahre handelt kann ich nicht mit reden. Aber die einigen Monate inkl. Fehlgeburt haben mir schon gereicht. Ich weiß nicht, ob ich so stark sein könnte einige Jahre darauf zu warte, darauf zu hoffen. Wenn ich daran denke, bekomm ich schon wieder nasse Augen. An alle die gerade in dieser Situation stecken, ich schicke euch unendlich viel Kraft und vor allem Liebe. Dass die Ehe, Partnerschaft darunter nicht leidet und man so gut es geht stark bleibt.

Ach Würmchen, ich hoffe du blickst öfters auf uns herunter, und siehst deinen Brüdern beim Spielen zu. Beobachtest mich, wenn ich meine Nerven verliere und am liebsten flüchten möchte. Siehst deinen Papa, der wohl der liebevollste Papa ist, den ich mir für Laurin und Henrik vorstellen könnte. Er gibt stets sein Bestes und behält in unserer Familie die Ruhe, unterstützt mich wo es geht und was für ihn am meisten zählt, sind wir. Würmchen ich schicke dir gaaaaanz viele Küsschen nach oben, und danke dir für so viel. Ich habe viel gelernt, über mich und über mein Herz. Du fehlst. Ganz besonders, Ende Juli. Im April wärst du schon 1 Jahr gewesen. Es gab bestimmt Gründe, der Körper ist ein Phänomen und weiß genau, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Du wirst immer ein Teil von uns bleiben, auch wenn wir dich niemals kennen lernen durften.

Dieser Beitrag ist eine absolute Herzensangelegenheit. Ja dieses Ereignis gehört zu mir, zu meinem Leben. Ich habe viel gelernt daraus und erfahren, über mich selbst. Das Leben ist wie eine Achterbahnfahrt, es geht manchmal hoch hinauf, doch fallen kann man auch schnell. Das Wichtigste ist, dass man sich Zeit lässt zu trauern. Jeder macht das auf seine Art und Weise. Das ist auch gut so, aber lasst euch Zeit. Mir half es zu reden, und zu schreiben. Ich rede auch heute ganz ganz offen darüber, wenn man auf dieses Thema , in Gesprächen kommt. Schämen, man braucht sich nicht schämen. Das ist das Leben, es bringt immer neue Herausforderungen mit sich. Würmchen, fühl dich umarmt von uns, auch du bist ein einzigartiges Wunder.

 

eure 

 

wunderschöne Songs, die ich beim Schreiben dieses Beitrages gehört habe .

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4 thoughts on “my heart. your place.

  1. Wie schön und traurig deine worte sind. 😪
    Ich kenne dieses Gefühl, warum bist du von uns gegangen, was habe ich falsch gemacht. Unser liebling ging vor 4 Jahren in der 10. Woche. Und dann….. wurde uns Elias geschenkt. 😍

  2. Melli, unsere Sternchen spielen bestimmt zusammen im Himmel. Ich musste gerade erst einmal ein paar Tränen verdrücken. Nicht zu wissen, wer es da nicht geschafft hat ist wirklich traurig. Manche Seelen benötigen mehrerer Anläufe.
    Fühl dich gedrückt.
    Liebe Grüße Linda

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