Mamaleben

eine Wehe noch

“Ahhhhhhhhhhhhhhh, pahhh scheiße es duad so weh” “Aua Aua Aua, scheiiiiiße” “Ahhhhhhhhhh,hmmmmm….” Genau das schrie ich. Ich wollte nicht mehr, aber ich wusste da muss ich jetzt einfach durch. Nach diesen vielen Stunden, war ich froh endlich in der Schlussphase zu sein. Ich spürte Henriks Köpfchen ganz genau, oh ja das tat ich. Und wenn ich daran denke, bekomme ich Gänsehaut …

… Bei Laurins Geburt war die Schlussphase nicht so intensiv, da hatte ich eine PDA. Ich spürte die Presswehen, aber viel leichter. Bei Henrik wollte ich nichts und nahm auch nichts in Anspruch. Ich hätte alles mögliche fluchen können, denn diese Schmerzen waren kaum aus zu halten. Mein Mann wurde auch schon ganz nervös, denn plötzlich ging es schnell. Ich bekam bei 6 cm und nach ca. 13 Stunden einen Wehentropf , dann hatte es Henrik eilig. Als Henriks Köpfchen fast durch war und die Hebamme sagte, ich darf nun nicht pressen ich muss auf die nächste Wehe warten. Dachte ich jemand will mich zerreißen, ja dieses Gefühl hatte ich. Ich konnte mich nicht mehr bewegen und wollte nur, dass Henrik jetzt raus kommt und schreit. Er gesund ist und wir ihn sehen dürfen. So und da kam die nächste Wehe ich drückte was das Zeug hielt und lies einen “Kampfschrei” (so nenne ich diese Schreie) raus. Zog eine Hand meines Mannes über mich und biss ihn. Es tat mir leid, aber ich konnte nicht anders. Ich wäre an die Decke gehüpft. So und dann die beste Erleichterung, die es auf Erden gibt. Das Baby ist raus und alle Schmerzen sind plötzlich weg. Sie sind einfach weg und ein Wunder, ein neuer Engel, ein neuer Mensch, ist auf der Welt. Ich sah ihn. Mein Mann sah ihn und er ist gesund. Mein Mann musste weinen vor Erleichterung, dass er gesund ist. Er sagte mir, dass ich das so gut gemacht habe,er so stolz auf mich ist. Dass Henrik da ist und wie süß er nicht ist. Ich war erschöpft und bekam zugleich unbeschreiblich schöne Glücksgefühle. Im Raum, im Kreißsaal, war eine magische Stimmung. Henrik schrie, mein Mann und ich konnten unser Glück kaum fassen und ich wollte ihn nur noch knuddeln und ab schmusen. Kraft hatte ich zu diesem Zeitpunkt leider kaum. Mein Mann schnitt die Nabelschnur durch und dann endlich, hielt ich Henrik im Arm. Die Hebamme machte ihre Arbeit. Ich bekam ein paar Stiche, aber nicht tragisch. Mein 2. Sohn. Den wir uns so so sehr gewünscht haben, wie unseren grossen Schatz Laurin. Er ist kerngesund, er hatte einen langen Weg. Die ganze anstrengende Zeit davor wurde vergessen und wir spürten nur noch das pure Glück. Am liebsten hätten wir Laurin gleich da gehabt, damit er seinen kleinen Bruder kennen lernt. Das folgte einen Tag später. Da ist er nun. Henrik Franz. Wie schön du bist, mein Schatz. Einfach unglaublich. Mir gingen die verschiedensten Gedanken durch den Kopf. Wie traurig ich doch war, als wir das Würmchen im Sommer 2017 verloren haben, wie dankbar ich bin dass Henrik dann doch den Weg zu uns gefunden hat, wie mühsam die Schwangerschaft manchmal war, wie wir uns dazu entschlossen haben ein zweites Kind zu zeugen. Dieser kleine süße Zwerg, ist nur durch meinen Mann und mir entstanden. Ist das zu fassen? Auch beim 2. Kind verliert es den Zauber absolut nicht. Man kann es nicht begreifen, man kann es kaum in Worte fassen und man könnte vor Stolz, Liebe platzen. Dieser einmalige Baby Duft. Dass Neugeborene soooo unglaublich gut duften können, man glaubt es nicht. Ich hatte ein Déjà-vu. Laurin roch auch so atemberaubend gut. Diesen Geruch, diesen Duft werde ich niemals vergessen. Ach wir haben unsere Familie komplett gemacht. Ich durfte duschen gehen, mein Kreislauf war gut ich war durch geschwitzt und wollte die Kennenlern Zeit frisch und sauber beginnen. Eine Dusche nach der Geburt, oh Mann eine Wohltat. Ich bekam ein neues Oberteil, schlüpfte in das Netzhoserl, mit einer oder mehreren dicken fetten Binden und dann wurde noch ein Foto geschossen. Wir wurden ins Zimmer gebracht. Ich konnte Henrik nicht lange genug ansehen. Ich freute mich auf die Bekanntgabe, dass unser zweiter Sohn auf der Welt ist. Freute mich meine Mama endlich anrufen zu können und ihr die freudige Nachricht erzählen zu dürfen. Ich war gespannt wie es Laurin bei ihr geht. Ich vermisste Laurin sehr. Während der Geburt dachte ich sehr oft an ihn und hatte damals schon Angst, ihm nicht mehr die Mama sein zu können , die ich bisher war. Ich bekam ein beklemmendes Gefühl, ich stellte mir schon all mögliche Situationen vor. Hörte aber flott wieder damit auf. Jetzt wird erstmal genossen. Ich hatte keine grobe Verletzung, mein Kreislauf war gut und ich war frisch geduscht. Die Zeit im Krankenhaus genoss ich sehr, ich sah sie als kleinen Urlaub. Ich musste nicht kochen, ich musste nicht putzen, ich musste nichts. Außer mich um Henrik kümmern, ganz viel kuscheln, ganz viel kennen lernen. Es war eine tolle Zeit.

Die Hebammen waren auch nicht mehr so “lästig” wie bei Laurin damals. Ja die lassen es einen oft schon spüren, ob  man nun das 1. oder 2. Kind geboren hat, mir kam es so vor. War wirklich gemütlich, ich war sicher in dem was ich tat. Bis auf paar kleine Gedanken. Doch beim Anziehen von Henrik tat ich mir die ersten Male wirklich schwer. Ich war Laurin so gewohnt. Dem sagte ich schon ” Da bitte die Hand durch” “Popo hoch” usw. da musste ich dann auf einmal wieder umdenken. Aber es wurde dann auch wieder. Der aller schönste Moment im Spital war, als Laurin Henrik kennen lernte. Ich heulte so sehr vor Glück Stolz und Freude. Ich konnte fast nicht mehr aufhören. Laurin war von der ersten Sekunde an so bemüht. Wollte ihn gleich zudecken, wollte ihn gleich ab schmusen usw. Was er dann auch sehr vorsichtig tat. Mich hätte so interessiert, was sich Laurin gedacht hat. Er spürte Henrik ja in meinem Bauch. Wusste, ok da ist Henrik drinnen. Das werden wir wohl nie erfahren, aber ich glaube es waren schöne Gedanken und das Unglaublichste, als Laurin Henrik sah, wurden seine Äuglein ganz nass und er weinte fast. Na könnt ihr euch vorstellen, wie ich dann zu heulen begann. So rührend und emotional. Als wir nach Hause durften, war es ein sehr sehr eigenartiges Gefühl. Werde ich hier nie wieder mit einem Baby raus kommen? Wars das jetzt? Bin ich froh, ich muss nicht mehr hier her, will auch nicht mehr hier her. Ganz komisch war das. Eines kann ich sagen wir fühlen uns komplett. Was der liebe Gott für uns noch geplant hat kann ich nicht sagen. Vorerst sind wir aber einfach mächtig stolz und zufrieden zu Viert zu sein. Zwei gesunde Kinder zu haben. Die Zukunft wird schon wissen was passiert und sein soll. Das Wochenbett genoss ich dieses mal sehr. Mein Mann hatte drei Wochen Urlaub. Das war Hilfe pur. Laurin und er verbrachten viel Zeit zusammen aber auch ich nutzte die Zeit, wenn es ging, mit Laurin. Einen Nachmittag werde ich nicht vergessen. Laurin wurde wach, er machte Mittagschlaf und schrie wie am Spieß. Er hörte nicht mehr auf. Er meinte, im Mund tut es ihm weh. Ja unsere Vermutung – Zähne – aber so schreien, das war ja doch noch nie. War klar, kein Kinderarzt an diesem Nachmittag offen. Sollen wir ins Spital fahren? Wir wussten echt nicht was wir tun sollten. Ich war froh, dass mein Mann zu Hause war. Im Endeffekt waren es wirklich die letzten Backenzähne. Fuhren nicht ins Spital und es beruhigte sich die Situation. Mein Herz tat so weh, ich sah Laurin leiden und konnte ihm nicht helfen. Henrik trank und schlief auf mir. Brüllte dann oft wieder los, da er das blöde Bauchwehmonster zu Besuch hatte. Manche Tage waren besser, manche nicht. Die Hände waren mir gebunden. Ich erstickte fast, vor Hilflosigkeit und Wut auf mich selbst. Jetzt hab ich zwei Kinder und werde ihnen nicht gleich gerecht? Das kann es wohl nicht sein. Einige Paare haben 3, 4 oder mehr Kinder. Wie schaffen die das bloß? Ich war traurig, bedrückt und auf mich sauer. Ich wollte Laurin trösten mit ihm kuscheln. Jede Sekunde, in der es ging genoss ich es und es tat uns beiden gut. Ob ich den Altersunterschied von unseren Jungs gut finde? Jein. Auf einer Seite ja absolut, da sie in den kommenden Jahren sicher ganz viel von einander haben. Doch die Anfangszeit war oft hart (mit dem wir gerechnet haben, wir entschieden uns ja bewusst dafür). Ich muss auch sagen, es kommt einfach total auf die Kinder drauf an. Wenn Henrik nicht so viel  Bauchweh gehabt hätte, wäre es vielleicht auch leichter gewesen. Wer weiß wer weiß. So wie Laurin zurzeit ist, mit seinen fast 3 Jahren, stelle ich es mir wirklich toll vor ein Baby zu bekommen. Aber wir haben es auch so geschafft und es ist wirklich so schön zu sehen, wie sie jetzt schon ein eingeschweißtes Team sind. Ich hoffe das bleibt immer so und wünsche ihnen gemeinsam unvergessliche Abenteuer, viel Freude, manchmal Streit (gehört dazu) und einfach gaaaaaanz viel Liebe. Viele haben uns schon gefragt “Na das 3. Kind wird dann ein Mädchen?” Also auf so Fragen / Aussagen sage ich nichts mehr. In einem anderen Beitrag, werdet ihr darüber meine Meinung erfahren und freue mich eure Meinungen darüber zu lesen, aber dazu später mal mehr. Nein vorerst nicht. Mein Mann und ich haben natürlich einen Plan B, falls ein drittes Kind kommen sollte. Aber den werden wir vermutlich nicht brauchen. Aber es ist immer gut einen Plan B zu haben. Und darüber sind wir uns einig. Wir sagen so, so wies kommt so kommts. Es ist gut so und schön so, wenn sich manche für keine Kinder entscheiden. 

Manche wollen ein Kind, manche 2, manche 3 oder sogar mehr. Das ist schön so, denn jedes Paar soll das für sich selbst entscheiden. Kinder zu bekommen, Kinder zu haben oder nicht zu haben soll KEIN TREND sein, es soll eine Herzensangelegenheit sein. Jetzt freuen wir uns auf die gemeinsame Zeit mit unseren Jungs und auf die vielen schönen Erlebnisse, die uns bevorstehen und die wir voll und ganz genießen. Ich bin glücklich, die doch manchmal sehr schwierige Anfangszeit gut gemeistert zu haben und froh darüber, dass mein Mann und ich diesen Weg eingeschlagen haben. Es flossen viele viele Tränen. Diese Schmerzen, diese Anstrengungen, dieses Gefühlschaos ist es allemal wert. Kinder sind das wohl größte, schönste Geschenk auf Erden. Und absolut NICHT selbstverständlich. In diesem Sinne, wünsche ich euch Alles Liebe und umarmt eure Zwerge gleich mal doll und drückt ihnen einen Schmatz auf die Wange, es ist nicht selbstverständlich, dass sie bei uns sind. 

 

eure 

 

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6 thoughts on “eine Wehe noch

  1. Sehr schöner Beitrag und so ehrlich!!! Und die Frage nach einem 3. Kind … manche Leute wissen einfach nicht, wann es genug ist. Louis ist jetzt 17 Monate alte und ich werde auch ständig nach dem 2. Kind gefragt – oft echt lästig!

    1. danke Martina, das freut mich wirklich sehr 🙂 Oh ja es ist total lästig. Ich mein wenn es so weit wäre werden wir schon davon berichten oder? Ich sag auch immer, ist doch komplett egal. Vielleicht möchte man ja 1 Kind. 2 Kinder oder 3, 4, 5 Kinder oder auch keines. Das ist jedem selbst überlassen und das ist auch gut so (: Als wir im Sommer 2017 unser Würmchen verloren haben, tat die Frage nach einem 2. Kinder weh. Ich hab mir geschworen, dass ich bewusst keinen danach frage. Falls man über das Thema spricht und es passt ok, aber bestimmt nicht “einfach so “. (: Man weiß oft nicht, wie es in jemanden gerade “aussieht”. Alles Liebe euch Martina, und danke vielmals für dein liebes Kommentar..

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